Tagebuch:
Augsburg
Wieder zuhause im schönen Bayern!
Bei meinem letzten Eintrag habe ich geschrieben, dass ich noch nicht richtig sagen kann ,was ich bei dieser Reise neben all den anderen Dingen und Tätigkeiten die ich mir vorgenommen habe, für mich persönlich als Erfahrung heraus ziehen kann. Das finde ich sehr wichtig, denn ich denke, dass man egal was man tut, auch auf sich selber aufpassen sollte. Es bringt schließlich nichts, wenn du aus einer Mission oder Arbeit oder sonst irgend etwas wieder nach Hause kommst, vielleicht auch viel erreicht hast, du sich selber aber vielleicht völlig aufgeopfert hast, oder du für dich selber keinen Sinn darin gesehen hast. Wenn ich so etwas schreibe, dann möchte ich auch gleich dazu sagen, dass ich diese Dinge nicht auf mich alleine beziehe, sondern auf all die Menschen auf der Welt, die versuchen durch kleine oder große Dinge, anderen Menschen eine kleine Freude zu machen, ihnen beistehen und ihnen neue Hoffnung zu schenken. Viele Menschen leben unter, oder in schwierigen Umständen, aber wenn man ihnen Freiheit im Herzen schenken kann, dann verändert sich alles.
Mittlerweile bin ich seit etwas mehr als einer Woche wieder Zuhause.
So konnte ich auch die letzten Tage ganz in Ruhe nochmals über alles nachdenken und weiß jetzt ,was ich auch für mich persönlich heraus ziehen kann und was für Wünsche ich für meine nähere Zukunft habe.
Es war mir einfach nochmal wichtig ,als Mann ganz alleine ein richtiges Abenteuer zu Ende zu bringen. Das kann jetzt natürlich der ein oder andere kritisch sehen, aber ich denke ,dass uns Gott auf jeden Fall auch ein Leben geschenkt hat , dass voller Abenteuer sein kann.
Ich bin aufgebrochen um mich auf die Suche nach Afrikas stillen Helden, Menschen und Hoffnung zu machen. Im Nachhinein denke ich, dass ich das schon ganz gut hinbekommen habe und dass ich mittlerweile auch für mich selber und meine Zukunft soviel positives heraus ziehen kann, ist natürlich auch toll.
Viele Freunde und Bekannte fragten mich in den letzten Tagen ,wie lange ich denn diesesmal da bleibe ,und wann ich wieder gehe ?
Ich denke aber, mein eigenes persönliches Abenteuer ist mit dieser Reise beendet.
Jetzt möchte ich ,dass die Prinzessin :) frei wird die ich mir wünsche, ich möchte heiraten und eine kleine Familie gründen. Ich war jetzt so viele Jahre alleine ich und würde gerne meinen weiteren Lebensweg mit allem was dazu gehört mit jemanden teilen wollen. Na ja ,das sollte kein hoffnungsloser Wunsch sein :)
Was dann alles passieren wird, oder wo wir dann vielleicht hingehen werden, das weiß ich nicht ,aber ich freu mich jetzt schon darauf ganz neue Abenteuer anderer Art mit meiner eigenen Familie zu erleben.
So ,das sind meine Wünsche und Träume für meine nächste Zukunft und ich hoffe ,dass sie auch schnell in Erfüllung gehen....
Alles Gute und ciao..
16.06.2008
Dakar 2 / Senegal
Ich wohne am Stadtrand von Dakar und obwohl eigentlich viele Europäer in Dakar leben sollen, habe ich nach 2 Wochen ,gestern zum ersten mal einen Weisen in diesem Viertel gesehen.
Ständig hab ich mit Fliegen an meinem Körper und im Essen zu kämpfen und nachts kommen die Moskitos noch dazu. Die letzten Nächte hab ich auf einem Betonboden in einem Innenhof geschlafen.
Mein Zimmer hier hat leider keine Fenster ,die man Nachts öffnen könnte und die Hitze in dem geschlossenen Zimmer ist unerträglich. Da bleibt nichts anders als im Freien zu schlafen und gut möglichst vorzusorgen , dass du von Moskitostichen verschont bleibst.
In meinem letzten Eintrag habe ich ja schon geschrieben , dass ich mittlerweile körperlich und geistig sehr müde bin und deswegen habe ich mich entschlossen Heute Nacht heimzufliegen.
Schon am Wochenende kann ich meine Klamotten in eine Waschmaschine schmeißen , ein westliches Bad und eine für uns normale Toilette benützen. Mal wieder eine Tafel Marzipanschokolade essen , ein kaltes Weizen trinken und auf einer schönen und angenehmen Matratze schlafen und ich habe wieder jeden Tag durchgehend fließend Wasser und Strom.
Naja ,das sind natürlich ehrlich gesagt schon Dinge ,die ich manchmal in den letzten Monaten etwas vermisst habe. Da denke ich gerne immer an die Wochen zurück die ich in Gambia bei Orla auf dem Grundstück wohnen durfte, denn da hatte ich neben anderen Dingen auch noch abends Fernsehen :).
Wie man sicher an meinen Einträgen herauslesen kann , war die Zeit hier im Westen Afrikas manchmal auch nicht immer einfach und was die Zeit mir persönlich letztendlich gebracht hat , das kann ich zum momentanen Zeitpunkt auch noch nicht sagen .
Ein paar Dinge , Menschen und Gegebenheiten werde ich aber sicher nie vergessen .
Da war Abdulei ein junger Mann aus Gambia , der im Kindesalter mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in die USA ausgewandert ist .Nicht gerade zur Freude seiner Familie kehrte er vergangenen Oktober zurück in seine Heimat .
Ich fragte ihn warum ? Fast alle Afrikaner sehen den Westen als paradiesisch an und du machst genau das Gegenteil . Warum ? und er antwortete..
Weil das hier mein Volk und meine Leute sind und weil ich hier für sie und den weiteren Lauf ihres Lebens einstehen will !!
Ich denke zurück an den Besuch der First Lady aus Sierra Leone. Als sie ihre tolle Rede beendet hatte , ergriff ein Pastor das Wort.
Er verwies auf ein das Buch des Propheten Jesaja 65 : 17-25 aus der Bibel.
Eine neue Zeit bricht an .... steht dort geschrieben. Für das Volk Israel setzte er dort das Land Sierra Leone ein.
Viele Menschen hatten nach den hoffentlich prophetischen Worten ,Tränen in den Augen.
Da war noch Isator, eine 4 fache Afrikanische Mutter. So wie ich mitbekommen habe ,konnte sie weder Lesen noch Schreiben ,aber was sie kann ,das gibt sie.
Viel Liebe und Fürsorge.
Jeder Mensch hat andere Stärken und Gaben. Ich glaube wir sollten nicht übertrieben versuchen an unseren Schwächen zu arbeiten , sondern vielmehr unsere Stärken ausspielen.
Auch Pastor Forbes wird mir in Erinnerung bleiben. Als ich so mit der Malaria zu kämpfen hatte, kam er am 2. Tag zu mir ans Bett und sprach ein für mich sehr eindruckvolles Gebet.
Dann natürlich Lamin, der mich in seinen Verhaltensweisen sehr beeindruckt hat. Auch er kommt aus keinen einfachen Familienverhältnissen. Wie so viele Menschen, natürlich nicht nur in Afrika, nimmt er das nicht als Entschuldigung, sondern er ist richtig bemüht sein Leben selber in die richtigen Bahnen zu lenken. Er arbeitet als Schreiner, er besucht drei mal die Woche eine Schule zur Weiterbildung und er arbeitet nebenbei auch in vielen Hausmeistertätigkeiten auf einem Grundstück .Er wird seinen Weg gehen. Ich hoffe ,dass sich viele junge Männer aus seiner Umgebung ein Beispiel an ihm nehmen und sehen, dass es fast jeder Mensch selber in der Hand hat aus seinem Leben etwas zu machen. Als letztes möchte ich noch etwas erzählen ,was mich sehr beschäftigte und wo ich mir sicher bin ,dass es vielen Afrikanern hier wahnsinnig Hoffnung und Auftrieb geben würde.
Martin Luther King sprach wohl einer der beeindruckendsten Reden dieses Jahrhunderts.
I have a Dream.
Wer sie nicht kennt, kann sie ja mal im Internet nachlesen. Genau 40 Jahre ist es her ,seit Martin Luther King ermordet worden ist.
Im Jahre 2008, 40 Jahre nach seinem Tod , besteht zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten die große Möglichkeit , dass ein Mensch mit Afroamerikanischen Wurzeln zum Präsidenten der USA gewählt werden kann .
40 Jahre zog das Volk Israel durch die Wüste.
40 Tage verbrachte Jesus in der Wüste und 40 Jahre lang regierte König David.
Das ist doch irgendwie interessant !
Martin Luther Kings Traum scheint in Erfüllung zu gehen , aber was ist mit unseren Träumen ?
Als Junge träumt man immer von großen Taten und mutigen Kämpfen ,und dass man eine Prinzessin aus einem dunklen Turm befreit.
Irgendwo sind bei vielen von uns solche Träume irgendwann mal auf der strecke geblieben.
Träume werden den Menschen ins Herz gesetzt , dass man sie ergreift und sie solange nicht loslässt ,bis sie Wirklichkeit geworden sind.
Alles hat seinen Preis und je größer der Traum ,desto härter wird der Weg dorthin.
Ich glaube fest daran ,dass Martin Luther King seinen Traum nicht mal nach seinem Tod losgelassen hat und dass seine Gebete auch noch 40 Jahre später erhört werden.
Zur damaligen Zeit war ein farbiger Präsident unmöglich und unvorstellbar. Und Heute ?
Na ja ,soviel einfach noch zum Thema ...
Nothing is impossible.
OK jetzt muss ich aber aufhören , denn ich muss zum Flugplatz.
Ich hoffe ,dass ich euch in den letzten Monaten ein wenig einen Eindruck über Afrika-Menschen und Hoffnung geben konnte.
Es würde mich freuen ,wenn euch meine Erzählungen, persönlichen Gedanken und Anregungen und die Berichte über Afrikas stille Helden interessiert und gefallen haben.
Euch allen alles ,Good Bye und Schalom...
Dakar / Senegal
Auf die Freude und Begeisterung vom letzten Mal folgte erst mal eine Ernüchterung. Aber eins nach dem anderen.
Die letzten Tage in Gambia war ich noch einem Bekannten behilflich ,ein Projekt für die Schaffung von Ausbildungsplätzen für Gambische Jugendliche zu planen. Kurz darauf machte ich mich mit Buschtaxi, Fähre und dem Bus auf den Weg nach Dakar. Das Auto lies ich an einem sicheren Stellplatz in Gambia zurück.
Ich wollte eigentlich sehr gerne mit dem Auto durch Mauretanien, Western Sahara und Marokko zurück nach Europa ,aber ich habe bis heute leider keinen Mitfahrer/in gefunden und alleine kann ich mir die Kosten der ganzen Rückreise nicht leisten.
Als ich nach einer stressigen Reise ziemlich müde in Dakar angekommen bin , wurde ich in der ersten Nacht hier im Senegal mal wieder krank.
Ich hatte eine Infektion im Mund die immer schmerzhafter wurde, sehr starke Kopfschmerzen und etwas Fieber. Ganz allgemein merke ich an meinem Körper ,dass ich einfach ziemlich ausgelaugt bin.
Sicherlich kommt da auch noch dazu ,dass jetzt am Ende vieles nicht so gelaufen ist ,wie ich es mir vorgestellt und gewünscht hätte. Ich denke mal ,das trägt schon auch noch dazu bei ,dass wenn der Mensch selber traurig und enttäuscht ist ,auch der Körper mit darunter leidet.
Zwei Freundinnen von mir haben mir bei einer Unterkunft hier in Dakar geholfen , so dass ich jetzt bei einer sehr netten Wolof Familie zu Gast bin. Natürlich ist es nicht immer so einfach mit der Sprache ,da hier nur Wolof und Französisch gesprochen , aber ich versuche mein bestes.
Der Regen hat begonnen und damit auch die große Hitze. Auch Fliegen und Moskitos werden jeden Tag mehr und damit auch das Risiko einer erneuten Malariainfektion.
Irgendwie weis ich gar nicht so recht was ich dieses mal in meinem Tagebuch so schreiben soll ,aber trotzdem wollte ich Heute mal wieder einen Eintrag setzen ,wo ich bin und wie es mir so geht.
Einen Tag fühlst du dich als wenn du die ganze Welt erobern könntest und am nächsten Tag fühlst du dich emotional als wenn du es nicht bis zum Abend schaffst..
Das sind einfach nur normale menschliche Gefühle. Wie gesagt bin ich kein großer Freund davon ,sein Leben von Gefühlen bestimmen zu lassen und vielleicht deshalb nur weil ich mich zur Zeit nicht so gut fühle ,nicht mehr weiter zu schreiben. Ich habe in den letzten fast 4 Monaten mitbekommen ,wie schwer es viele Familien hier haben. Wenn du eine Afrikanerin hier fragst wie viel Kinder sie hat ,bekommst du meist als Antwort 4,5 oder 6 lebende. Ich glaubt das sagt schon viel aus.
Ich weiß das ist schlimm, aber ich denke wir alle wissen auch ,dass das Leben bei uns Zuhause auch nicht immer leicht zu meistern ist ,es sind dort einfach Probleme auf einer ganz anderen Ebene und niemals mit hier zu vergleichen.
Warum gibt es denn bei uns soviel psychische Probleme und warum sind denn unsere Psychiatrien immer gut mit Patienten besetzt ?
Ich denke es ist auch der große gesellschaftliche Druck unserer westlichen Welt ,dem einfach einige Menschen leider nicht gewachsen sind.
Dieses Thema wollte ich einfach kurz erwähnen ,weil ich es nicht gut finde, psychisch kranken Menschen bei uns vorzuhalten ,dass sie froh sein müssen in Deutschland zu sein und nicht irgendwo in Afrika usw.
Ich habe das schon so oft gehört und früher auch leider selber gesagt.
So, meine Gastgeberin Isator hat mich zum Essen gerufen, denn ich wohne genau gegenüber vom Internetcafe. Euch allen zuhause einen schönen Tag und bis bald..
30.05.2008
Kerr Sering 3 / Gambia
Da ich die letzten Wochen erstmal wieder richtig auf die Beine kommen musste ,habe ich nicht soviel erlebt, über das ich jetzt berichten könnte.
Deswegen müsst ihr euch halt heute mit ein paar netten und lustigen Bildern über Gambia, und mit ein paar persönlichen Berichten und Erfahrungen, über mich begnügen :).Ich hatte ja jetzt genug Zeit mir über ein paar Dinge Gedanken zu machen.
Vor ein paar Tagen habe ich einen Malariatest gemacht und das Ergebnis war negativ. Der Anteil der weißen Blutkörper ist zwar noch zu hoch ,aber das ist nach einer Malariainfektion normal.
Eigentlich würde ich ja gerne über meine nächsten Pläne oder so schreiben ,aber es gibt keine konkreten :). Mal schauen !
Momentan habe ich umgerechnet noch etwa 20 Euro( meine Bankkarte funktioniert hier in Gambia nicht mehr und so habe ich momentan keine Möglichkeit an Geld zu kommen ), kein Sprit im Tank, kein Rückflugticket und zur evtl. Weiter-oder Rückfahrt auch keinen Mitfahrer/in.
Naja ,da kann mal wohl sagen, da gibt’s beruhigendere Situationen.
Ich denke das mit dem Rückflugticket würde sich schon irgendwie realisieren lassen, aber dann stehe ich zuhause am Flughafen und meine Umstände wären da auch nicht einfacher.
Denn ich habe ja zuhause keine Wohnung, keine Arbeit und ein Auto habe ich dann auch keines mehr ,falls ich es hier stehen lassen muss.
Dann müsste ich wieder mal bei Null anfangen.
So ,aber jetzt möchte ich endlich mal auf den Punkt kommen ,
um den es mir eigentlich geht.
Als ich losgefahren bin ,habe ich schon damit gerechnet ,dass ich an einem solchen Punkt kommen könnte ,und bin trotzdem gefahren. Ich war mir dessen also schon von Anfang an klar bewusst.
Meine engsten Freunde wissen ,dass die letzten fast 5 Jahre nicht einfach für mich waren. Diese Zeit war schmerzhaft und meist habe ich mich nicht so gut gefühlt.
Trotzdem habe ich immer versucht mich nicht davon leiten zu lassen ,wie ich mich fühle ,oder meine Emotionen sind.
Ganz ehrlich muss ich auch eingestehen ,dass ich das gar nicht so richtig hören mag wenn Leute sagen :
Ich fühlte mich... Ich dachte...Ich meinte..Ich hatte das Gefühl... usw. usw.
Meiner Meinung nach sollten wir damit aufhören ,unsere Entscheidungen danach zu richten wie wir uns fühlen.
Wir sollten anfangen das zu tun was richtig ist und das nicht zu tun was falsch ist und unsere Umstände dabei beiseite lassen.
Wenn ich jetzt schon bei Umständen bin ,dann möchte ich da noch kurz was dazu fügen.
Oft sind die Umstände um uns herum wirklich sehr schwierig und man lässt sich dann von Depressionen, Zukunftsängsten und manchmal auch Mutlosigkeit so richtig runterziehen.
Ich weiß ,dass das was ich jetzt schreibe sicher nicht einfach ist ,aber es ist möglich.
Was haben wir schon zu verlieren ,wenn wir in solchen Situationen die Augen weg von den Umständen nehmen und unseren Blick auf Glauben, Mut und Hoffnung lenken ?
Es gibt ein schönes Sprichwort.
Der Glaube wehrt alle Hiebe ab. Der Glaube verwandelt Gift in kristallklares Wasser.
Ja, so ein Prozess tut sicher weh und ist auch schmerzhaft ,aber am Ende kommt gutes dabei raus und das ist das was zählt.
Außerdem, ob wir weitergehen oder nicht, weh tut es so oder so, also was hält uns manchmal davon ab ?
In den letzten Tagen geht es mir wirklich immer besser ,denn ich weiss ,egal was für Türen für mich aufgehen oder auch nicht ,es gibt immer eine Möglichkeit ,wenn man daran glaubt.
Ich weiss nicht was in meinem nächsten Eintrag stehen wird ,oder ob es mein letzter sein wird ,denn wie gesagt gibt es keinen Plan ,sondern nur Gewissheit, dass ich immer eine Möglichkeit finden werde...
Einen schönen Tag und Liebe Grüsse aus Afrika
18.05.2008
Kerr Sering 2 / Gambia
Ich bin immer noch in Kerr Sering und wohne bei Orla auf dem Grundstück. Orla ist die Deutsche Missionarin die ich vor etwa 2 Wochen kennengelernt habe. Als ich Sonntags mit ihr zur Kirche ging, sagte sie zu ihren Freunden „ Das ist Marco. Gott hat ihn mir vor meine Haustür gelegt „ :)
Orla lebt seit eineinhalb Jahren in Gambia und davor war sie einige Zeit auf der Anastasis, einem schwimmenden Krankenhaus, dass von der Organisation Mercy Ships in Westafrika in verschiedenen Ländern eingesetzt wurde. Inzwischen wurde sie durch die Africa Mercy ersetzt. Orla hat es mittlerweile nach Gambia verschlagen, wo sie sich einer großen Herausforderung stellt.
Als erstes muss man wissen, dass Frauen in Afrika einen anderen Stellenwert haben als in der westlichen Welt; besonders eine alleinstehende Frau.
Trotzdem bleibt Orla hier. Sie hat es sich zur Aufgabe gestellt, sich für die Frauen einzusetzen die an VVF (Vesico Vaginal Fistula ) erkrankt sind. Wer mehr darüber wissen will der kann das z.B. unter www.fistula.de nachlesen.
Die Zahl der an VVF erkrankten Frauen bewegt sich alleine in Afrika zwischen 500.000 -1.000.000. Trotzdem ist es ein sehr verschwiegenes Thema, da diese Frauen wegen der Fistel inkontinent sind.
Wegen Mangel an Aufklärung und Unwissenheit über die Ursache dieses Krankheitsbildes suchen die Betroffenen keine Hilfe, sondern versuchen ihren Zustand zu verbergen. Das bringt sie automatisch in eine Isolation.
Orla arbeitet Akribisch daran, alles so in die Bahnen zu lenken, dass sie hoffentlich bald alles was sie sich vorgenommen hat, in die Praxis umsetzen kann. Dazu braucht sie u.a. ein Haus, wo die Frauen Heilung und Rat finden können und auch medizinisches Personal.
Auch hat sie vor, über kurz oder lang direkt in die Dörfer zu gehen um die Frauen auch dort zu ermutigen, dass es jemand gibt der ihr Leid kennt und sich ihrer annehmen will.
Für mich selber denke ich, dass der Grund nach Afrika zu kommen genau der ist
solch tolle Menschen selber kennenzulernen und auch euch darüber erzählen zu können.
Ich wünsche mir sehr, dass Orla all die Unterstützung und Hilfe bekommen wird, die diese mutige Frau benötigt und verdient hat.
Orla plant in den kommenden Monaten selber nach Deutschland zu kommen, da sie auf Sponsorenhilfe angewiesen ist.
Wer sich mehr für die Arbeit von Orla interessiert, kann sich jederzeit mit mir in Verbindung setzen. Ich stelle dann gerne einen direkten Kontakt zu ihr her.
Anfang der letzten Woche hatte ich etwas Kopfschmerzen und ein wenig Schüttelfrost, aber am nächsten Tag war es auch schon wieder weg .Da das nicht das erste Mal hier war, dachte ich mir wenig dabei und da ich eh davon ausging, dass eine evtl. Malariainfektion immer erst mit Fieber beginnt ,ließ ich auch keinen Malariatest machen.
Das war ein folgenschwerer Irrtum.
Ein paar Tage später wurde ich dann richtig krank. Hier in Gambia ist die Malaria Tropica die am meisten verbreitete.
Sie ist die gefährlichste Form. Da ich eh schon viel zu spät reagiert habe, wollte ich auch keine Zeit für einen Test verlieren und Orla hat mir sofort Malariatabletten gegeben.
So blieb dann nur abzuwarten.
Bis zum Ende des 2 .Tages habe ich vor Schmerzen kein Auge zugemacht. Mir tat alles so weh und dann kam auch noch die Angst dazu, denn die Afrikaner sagen :“ Wenn du deine erste Malaria 3 Tage überstehst, dann überlebst du auch.“ Ja toll !
Ich dachte mir:, Was ist wenn es doch zu spät war die Tabletten zu nehmen und die Parasiten schon überall in deinem Körper sind ?.' Ich hatte so einen starken Druck auf dem Kopf , dass es mir weh tat meinen Mund zu bewegen.
Trotzdem sprach ich in einem Gebet, dass bitte die Scherzen zurückgehen sollen, denn ich habe keine Kraft mehr.
Die Tabletten zeigten endlich Wirkung und die Schmerzen gingen im Laufe der Nacht langsam zurück und am Morgen fand ich endlich auch ein paar Stunden Schlaf.
Da kann man natürlich sagen, dass war Glück, Zufall oder ganz normal, das ist jedem selbst überlassen.
Meine Meinung ist ; Wenn man an etwas glaubt und man natürlich auch medizinisch alles mögliche getan hat, dann funktioniert es meistens auch. Ich denke die Tabletten und das Beten waren ein ganz gute Kombination.
So bin ich also wieder unter den Lebenden : ) und weiss, dass ich auch richtig Glück gehabt habe.
Was wäre wohl passiert, wenn ich irgendwo alleine mit dem Auto unterwegs gewesen wäre und ich keine Orla bei mir gehabt hätte, die sich in diesen Tagen so um mich gekümmert hat ?
Ja, das wäre wohl nicht so gut gewesen und hätte ein schlimmes Ende nehmen können.
Es wird wohl ein paar Wochen dauern bis ich wieder in Vollbesitz meiner Kräfte bin, aber nach den Tagen meiner Erkrankung ist das kaum der Rede wert.
In der Zeit als es langsam wieder aufwärts ging, kam mir wieder etwas in den Kopf, an das ich in den letzten Jahren immer gedacht habe, als ich mal wieder niedergeschlagen war.
Dankbarkeit !
Es ist einfach dankbar zu sein, wenn die Beziehungen zu Freunden, Familie und deinem Partner/in harmonisch laufen. Wenn man einen sicheren Job mit einem geregelten Einkommen hat. Es ein Zuhause gibt ,das dir immer Sicherheit und Ruhe gibt ,man einfach glücklich und gesund ist.
Aber was ist wenn alles zerbricht und das kann es, und manchmal kommt es auch zusätzlich noch ein Stück dicker ?
Was dann mit Dankbarkeit ?
So etwas hier zu schreiben fällt mir nicht schwer, da ich all die Erfahrungen in den letzten Jahren am eigenen Körper gespürt habe.
Trotzdem versuche immer auch über diese Zeiten dankbar zu sein, denn ich weiß, dass sie mich viel gelehrt haben, das ich in meiner Zukunft noch gut gebrauchen kann.
Deswegen glaube ich wirklich, egal was passiert oder wie die Situation aussieht, wenn du einfach nicht abgibst, dann ist es nur eine Frage der Zeit bis der Zug auch wieder in die andere Richtung fährt.
So ,bis zum heutigen Tag habe ich niemanden gefunden der mit mir weiter-oder zurück fährt, aber ich versuche weiterhin wie immer von Tag zu Tag zu denken und wünsche mir, dass sich bald eine neue Situation für mich auftut.
03.06.2008
Gambia / Kerr Sering
Ich verbringe noch ein paar Tage in Bissau bei einer einheimischen muslimischen Familie die mich sehr nett aufgenommen haben. Es ist toll zu sehen, wie Muslime und Christen hier freundschaftlich nebeneinander leben. Auch wenn in den meisten Ländern die ich besuchte, die Moslems mit über 90 % klar die Mehrheit stellen, hatte ich nie das Gefühl dass man als Christ irgendwelche Schwierigkeiten hat.
Vor Jahren herrschte hier in Guinea-Bissau noch Krieg, aber das Land hat sich mittlerweile sehr schnell erholt. Es fahren Taxis und Minibusse und die Leute lachen, schreien und handeln, wie es in einer Afrikanischen Großstadt einfach nur normal ist. Die Menschen haben wieder Jobs und die Familien können wieder in Frieden leben.
Das nenne ich wirklich einen großen Erfolg.
Auf einzelne Menschen bezogen finde ich, dass Erfolg auch eine Frage der Kulturellen Perspektive ist.
Für manch einen bedeutet Erfolg vielleicht einmal Arzt, Rechtsanwalt oder Manager zu sein.
In meiner Welt bedeutet Erfolg, von Drogen oder Alkohol freizukommen, eine ehrliche Arbeit zu finden und eine Familie zu gründen.
Ich muss durch den Senegal zurück nach Gambia reisen, da ich einen Termin mit einem Arzt aus Deutschland habe. Er versucht gerade eine Krankenstation in einem ärmeren Viertel nahe Brikama/Gambia aufzubauen.
Am Grenzübergang Senegal-Gambia treffe ich wieder auf all meine Bekannten von Militär, Zoll und Polizei. Ich habe ihn den letzten Wochen schon so oft die Grenze überfahren und somit kenne ich da jetzt schon die meisten.
Zusammen mit 2 Freundinnen laden sie mich spontan zum Essen ein. Wir waschen uns die Hände und setzen uns alle hinter das Grenzhaus. Vorne bleibt nur noch eine Dame zurück, und wer jetzt die Grenzen wechseln will, muss einfach warten.
Wir sitzen alle zusammen um eine große Schüssel Reis und Fisch, und schaufeln das Essen genüsslich mit den Händen in unsere Münder.
Ja das ist halt auch Afrika und an unseren Grenzübergängen unvorstellbar. Ein Reisender sagte mir mal:
Afrika ist viel zu spannend um einfach nur runter zu fahren, sein Auto schnell zu verkaufen und wieder Heim zu fliegen.
In Gambia angekommen verabrede ich mich gleich mit Doktor Gerhard L. und zwei seiner Begleiter. Wir besuchen eine Brauerei die uns für eine Krankenstation drei 1000 L Wassertanks zur Verfügung stellt. Danach geht’s weiter zum Gesundheitsministerium, wo wir uns erkundigen wie es mit Registrierungen von ehrenamtlichen Arbeitern läuft.
Danach führe ich noch Gespräche, wo wir denn die Ärzte usw. unterbringen können, und wie sie sich bewegen können, wenn sie mal an einen freien Tag woanders wieder Kraft und Ruhe schöpfen wollen.
Danach erkundige mich wie es denn mit Containerverschiffung von medizinischen Material und Geräten usw. läuft.
Vielleicht klappt es ja mit all den Vorbereitungen, und man kann dann so schnell wie möglich hier zu Arbeiten anfangen. Die Regenzeit steht hier kurz bevor und dann werden auch die Zahlen der Malariafälle drastisch ansteigen. Da wäre es schon sehr sinnvoll, wenn die Krankenstation dann schon gut besetzt wäre.
Ziemlich müde gehe ich abends zu Bett und freu mich, dass wir zusammen heute so viel geschafft haben.
In meinem Tagebuch berichte ich über Afrika-Menschen-Hoffnung.
Guinea-Bissau hat mir wieder mal gezeigt, dass jedes Land nach einer dunklen Zeit auch wieder eine Zeit erleben wird, wo der Horizont aufreist und die Sonne durchdringt.
Etwa 500 km weiter südlich grenzen hier die Länder Sierra Leone und Liberia.
Charleys Taylor schrieb dort vor einigen Jahren wohl einer der schwärzesten Kapitel Afrikas in den letzten Jahrzenten.
Massenmord der RUF Rebellen, sexuelle Versklavung, Plünderung und Kreueltaten an der eigenen Bevölkerung waren dort an der Tagesordnung. Der Krieg ist seit ein paar Jahren vorbei und Charleys Taylor sitzt in einer Zelle in Europa und wartet auf seinen Prozess.
Die Menschen die diese schlimme Zeit überlebten, leben jetzt im laut Statistik ärmsten Land der Welt.
Wenn man zuhause etwas von Sierra Leone hört, dann winkt der größte Teil wohl mit dem Fazit Hoffnungslos ab.
Ich frag mich: War denn irgendjemand von uns, oder den wir kennen in letzter Zeit dort, um solch eine Meinung zu haben ?
Bevor wir also urteilen sollten wir nicht vergessen, dass Jahrzehnte zurück, Deutschland nach einer Schreckensherrschaft genauso völlig am Boden zerstört war.
Ich bin mir 100 % sicher ,dass es auch in solchen Ländern Zeichen der Hoffnung gibt. Man muss sich nur aufmachen, sie suchen und davon berichten.
Seit kurzer Zeit versuche ich Kontakte und Anlaufstellen in Sierra Leone zu finden, aber es erweist sich als sehr schwierig. Vielleicht wird es ein paar Wochen dauern bis ich all die Vorbereitungen für die Weiterfahrt getroffen habe,
Das Auto werde ich nicht verkaufen, denn der Kaufpreis ist viel zu gering. Außerdem gibt es in den südlicheren Ländern wenig Infrastruktur und somit kaum Hotels, Hostels oder ähnliches. Falls es welche gibt, dann sind diese völlig überteuert und kosten dann schnell mal 100 Dollar die Nacht. Das kann ich mir nicht leisten und deshalb brauche ich das Auto, um so immer einen sicheren Schlafplatz zu haben.
Vor wenigen Tagen saß ich so auf einer Mauer und dachte mir: Das ist ja toll, dass ich so große Pläne habe, aber Fakt ist, du hast kaum noch Geld.
Ein oder zwei Tage später saß ich wieder auf der Mauer, als eine Deutsche Frau vorbeikam. Wir sprachen ein wenig miteinander und verabredeten uns am nächsten Tag für ein Treffen.
Ich lernte sie als eine Deutsche Missionarin kennen und als ich so von mir erzählte, lud sie mich spontan in ihr Haus ein und dass ich solange hier bleiben kann, bis ich denn weiss wie es weitergeht.
So habe ich jetzt, wo ich eigentlich schon fast aufgeben musste, erstmal ein wenig Zeit um durchzuschnaufen.
Ich habe sogar fließend Wasser, Strom und einen Internetshop genau vor der Tür.
Von all den Dingen hatte ich in den letzten Wochen nicht gerade im Überfluss.
Außerdem habe ich auch noch eine Hängematte:) Huhu
Vor 10 Tagen oder so hat mir meine kleine Schwester geschrieben, dass mir meine Familie ein Rückflugticket als Sicherheit besorgen will. Ich soll mir keine Sorgen machen.
Aber das will ich nicht und das hat nichts mit Stolz zu tun. Ich hatte in der ganzen Zeit meiner Reise nie einen Umkehrplan, in Form eines Rückflugtickets in der Tasche. Damit versuche ich jetzt nicht cool zu sein, oder anderen zu imponieren. Ich habe mir einfach etwas vorgenommen und dabei will ich mir keinen Raum für einen sicheren Rückzugsplan lassen, sondern erst mal alles mögliche versuchen, es doch irgendwie zu schaffen.
Ich kann nicht sagen, ob das was ich hier seit Monaten so mache und schreibe irgendjemanden zum Nachdenken bewegt. Meiner Meinung nach kann man entweder am Rand stehen und etwas Kritisieren, oder man geht hinein und versucht einen Unterschied zu machen.
Theodore Roosevelt sprach vor fast 100 Jahren folgende Rede:
Nicht der Kritiker zählt, nicht der Mensch, der darauf zeigt, wie der starke Mann zu Fall kam, oder wo der Täter von Taten etwas hätte besser machen können.
Der Verdienst gehört den Menschen, der sich in der Arena befindet, das Gesicht von Staub und Schweiß und Blut gezeichnet, der tapfer vorangeht, der sich immer und immer wieder irrt und Fehler macht, der großen Enthusiasmus und große Hingabe kennt und sich für eine würdige Sache verausgabt, der im besten Fall eine große Leistung vollbringt oder im schlechtesten Fall, wenn er fehlschlägt, zumindest dabei Grosses gewagt hat, so dass sein Platz nie bei jenen teilnahmslosen und schüchternen Menschen sein wird, die weder Sieg noch Niederlage kennen.
Ich finde die Rede wirklich richtig gut.
Falls ich es irgendwie schaffe, dass ich bald meine Reise fortsetzten kann, bleibt immer noch die Sache, dass ich niemanden habe der mit mir fährt.
Der Mut hat eine klare Entscheidung zu treffen und sich mit mir zusammen all den Herausforderungen stellt, aber mit mir auch all die Abenteuer teilen will die vor uns stehen.
Ich hol dich auch ganz persönlich am Flughafen in Banjul/Gambia ab.: ) Kein Problem!
Na ja ich denke wir haben bei uns in Deutschland die Priorität zu fast allen Ja oder Nein sagen zu können, aber was bringt es wenn man davon keinen Gebrauch macht.
So jetzt muss ich den Eintrag schnell wegschicken, denn heute ist schon ein paar Mal der Strom ausgefallen....
28.04.2008
Bijagos Island / Guinea Bissau
Auf meiner Weiterfahrt durch die Causamance treffe ich den 18 Jährigen Willem. Der junge Holländer reiste trotz Reisewarnungen der eigenen Regierung in diese Region. Es kommt hier vereinzelt immer wieder noch zu Überfällen von Rebellentruppen. Er hatte gerade sein Abitur abgeschlossen und statt sich erst mal ins Vergnügen Leben zu schmeißen, wollte er erst mal Erfahrungen in der Entwicklungshilfe sammeln. Den Aufenthalt hier hat er sich selber finanziert, was mich persönlich sehr begeistert. Er lebt in dieser Zeit bei einer einheimischen Wolof Familie in Abene. Dem Einsatz einiger seiner Landsleuten ist es zu verdanken, dass in diesem Dorf 230 Haushalte mit trinkbarem Wasser versorgt sind. Mittlerweile steht hier ein Brunnen von dem das Wasser in einen Wasserturm hoch gepumpt und filtriert wird. Über ein Reservoir läuft das Wasser dann in die verschiedenen Haushalte. Das ist wirklich eine tolle Sache und erleichtert das Leben der Dorfbewohner natürlich im großem Masse.
Willem ist hier und hilft in verschiedenen Familien bei der Regelung des finanziellen Haushaltes. Gemeinsam versuchen sie einen Plan zu machen, wie man es schaffen kann, das Einkommen so einzuteilen, dass es für den ganzen Monat reicht. Dazu muss ich natürlich gleich sagen, dass das bei sehr vielen Familien nicht geht, da kein oder nur wenig Einkommen da ist. Trotzdem sollte man versuchen dort etwas gemeinsam zu verbessern versuchen, wo es im Rahmen möglich ist. In anderen Fällen muss man sich dann andere sinnvolle Dinge zur weiteren Selbsthilfe überlegen. Nebenbei trainiert Willem auch Kinder des Dorfes an vier Computern, die seine Holländischen Bekannten gesponsert haben. Er lehrt ihnen verschiedene Computerkenntnisse um ihnen damit eine Tür zu einer später besseren Ausbildung zu öffnen. Vielleicht wird ja aus dem ein oder anderen kleinen Kind mal jemand der im seinem eigenen Land, seine Jugend versucht weiter nach vorne zu bringen und damit ein Vorbild seines Volkes wird. Man weiss ja nie was passiert und letztendlich war dann ein 18 Jähriger junger Holländer der Ausgangspunkt für eine Veränderung vieler Leben.
Meine Reise führt mich weiter durch den Süden Senegals nach Guinea-Bissau. Eine ehemalige Kolonie der Portugiesen. Nach Amtssprache Englisch In Gambia, Französisch im Senegal, geht es jetzt mit Portugiesisch weiter. Die Sprachenvielfalt hier in Afrika ist neben all den anderen Herausforderungen natürlich noch mal etwas für sich. Denn neben den Amtssprachen kommen bei jedem Land noch zahlreiche verschiedene Stammessprachen dazu.
Trotz allem kommt man auch in etwas entlegenen Dörfern mit ein paar Wörtern oder Sätzen der jeweiligen Stammessprache einigermaßen zurecht und wird dann auch herzlichst begrüßt und aufgenommen.
Mit einem kleinen überladenen Boot geht es auf die Orango-Island. Ich denke mal das Boot ist etwa 12 m lang und es sind um die 50 Menschen an Bord. Dazu kommen noch etwa 2 Tonnen Reis und andere Lebensmittel und irgendwo höre ich ab und zu mal Schweine grunzen oder Ziegen böllern. Eine sehr alte Frau neben mir betet fast die ganzen 5-6 Std. der Fahrt durch und als die See wieder mal unruhiger wird, fängt eine andere alte Frau neben mir vor Angst zu weinen an. Doch es bleibt alles verhältnismäßig ruhig und wir erreichen die Insel Orango.
Es ist brütend heiß und wir marschieren zu einer einfachen Unterkunft auf der Insel, natürlich ohne Strom und fließend Wasser. Nach ein paar Stunden Aufenthalt wird mir erst richtig bewusst, dass Nahrung und Wasser hier große Mangelware ist. Es gibt ein kleines Dorf und ich bewundere die Menschen hier, die obwohl sie ihrer Kultur wegen keinen Fischfang machen, trotzdem doch irgendwie hier überleben können. Die Einheimischen raten mir als Europäer ab das Wasser aus dem Brunnen zu trinken, aber letztendlich komme ich nicht darum herum, das etwas lehmige Wasser trotzdem zu trinken, um meinen Durst zu löschen. Wir fragen einen Einheimischen wann das nächste Boot zurück auf die von der Infrastruktur etwas besser entwickelte Insel Bubake geht ? Ich erfahre dass es wohl Anfang der Woche geht, aber das natürlich nur wenn Treibstoff da ist, denn der ist wieder mal sehr knapp hier.
Na ja !
Gelassenheit ist etwas das du in Afrika bis zum Perfektionismus gut trainieren kannst. Das Boot kommt Anfang der Woche, also alles mal wieder Ok.
Wir fahren zurück auf die Insel Bubake. Im Boot sitzt ein Vater und hat sein Halbtotes Kind im Arm. Ich weiss nicht wie lange die etwa 3 Jährige schon so schwer krank ist. Auf den Inseln kommt nur einmal die Woche ein Boot, oder manchmal vielleicht nur alle zwei Wochen. Den Rest kann man sich selber denken. Ich denke an meine kleine Nichte zuhause, die etwa im selben Alter ist und bin wieder mal sehr dankbar, dass so etwas bei uns nicht vorstellbar ist. Auf der Nebeninsel gibt es eine kleine Krankenstation, aber die Möglichkeiten dort sind natürlich sehr begrenzt. Krankheit und Tod, sind Dinge mit denen man hier immer wieder stark konfrontiert wird. Jedes 5. Kind wird nicht älter als 12 Jahre.
Nach 3 Tagen auf der Insel Bijago geht es zurück auf das Festland Bissau. Nachdem ich vor einigen Jahren ein nicht so tolles Erlebnis in einer Piroge in Thailand hatte, wollte ich zumindest längere Strecken nie mehr mit so etwas fahren. Leider gibt es heute für mich keine Wahl, denn die Schiffe aus Bissau sind an diesem Tag ohne einen Grund den ich weiss, nicht da. Also setze ich mich einfach rein und hoffe auf eine ruhige See ohne Zwischenfälle. Nach etwa 2 Std. Fahrt wird der Wind stärker und die See rauer. Eine Junge Frau neben mir hat unwahrscheinlich Angst, fängt laut zu Beten an und schreit immer wieder den Namen Jesu. Ich nehme ihre Hand und versuche sie zu beruhigen. Kurz darauf hört der Motor auf zu laufen. Das Boot hat sofort keine Navigation mehr und beginnt sehr stark zu schaukeln. Auch ich habe Angst, versuche mir aber nichts anmerken zu lassen, so dass die Frau neben mir hoffentlich nicht in Panik gerät. Es ist weit und breit kein Land in Sicht und natürlich gibt es hier auch keine Schwimmwesten oder Schwimmreifen, wobei das bei dem Wellengang eh keine Rolle mehr spielt. Selbst der beste Schwimmer würde hier ertrinken. Ich denke sofort an die Wort eines Schweizers der hier lebt !
Er sagte mir gestern noch, dass es schon vorgekommen ist, damit sie ganz einfach den Kraftstoff falsch berechnet haben. In diesem Falle oder falls der Motor defekt ist, ist es nur noch eine Frage der Minuten bis die Menschen auf dem Boot in Panik geraten und das Boot deswegen kippen wird. Das Boot liegt wie die berühmte Nussschale in den Wellen.
Wenige Minuten später fängt der Motor wieder rechtzeitig zu laufen an, und eine halbe Stunde später sind wir in ruhigeren Gewässern.
Die gesamte Bootsfahrt dauert vielleicht 5-6 Std. und ich denke an all die Afrikaner die hier von der Westküste Afrikas in letzter Hoffnung Richtung Kanarische Inseln in die See stechen. Die Bootsfahrt dauert da etwa 250 Std., ohne ausreichend Wasser und Nahrung. Oft habe ich die Bilder bei uns im Fernsehen gesehen wie einige der Überlebenden mit letzter Kraft an das Ufer der kanarischen Inseln krabbeln. Jetzt wo ich selber nur ein paar Std. in so einem Boot sitze, versuche ich zu verstehen, wie sehr man verzweifelt sein muss so etwas zu wagen, aber ich komm an die Grenzen meines Verstandes und kann es nicht begreifen. Ich erreiche wieder das Festland Bissau und bedanke mich in einem kleinem Gebet...
11.04.2008
Causamance Region / Sued Senegal
Vor meiner Abreise wollte ich in diesem Tagebuch eigentlich nur über Menschen schreiben, die ich in Afrika treffe und mich inspirieren über sie zu berichten. Im Laufe dieser Reise stellen sich mir aber auch immer wieder so viele Fragen an mich und vielleicht auch den einen oder anderen von euch. Zum Teil sind es sicherlich auch sehr kritische Fragen, die bestimmt auch nicht jedem gefallen werden.
Aber das muss es ja auch nicht.
So bleibt es letztendlich jedem selber überlassen weiter zu lesen, nachzudenken oder die Seite einfach zu schließen.
Vielen Dank für all die Aufmunterungen und Sorry, dass ich wiedermal nicht allen persönlich antworten kann. Es ist einfach sehr schwierig erst mal immer Strom zu haben und dann zweitens mal einen Internet Shop zu finden, der einigermaßen funktioniert.
Ich habe meinen kleinen Tiefpunkt überwunden und bin wieder wohlauf. In den letzten Tagen habe ich viel Zeit in einer kleinen Bucht verbracht. Dabei habe ich mich entschlossen hier nicht zu Arbeiten anfangen. Bei dem geringen Gehalt müsste ich da ja mindestens ein halbes Jahr Arbeiten, um ein wenig Geld zur Seite zu bringen. Es geht mir dabei nicht ums Arbeiten, sondern einfach um den Zeitpunkt.
So werde ich mir ein paar Tage zeitlassen, ob ich vielleicht noch eine andere Idee habe. Wenn nicht, würde ich wenn es klappt, auch das Auto verkaufen. Die Entscheidung ist mir wirklich sehr schwer gefallen, aber ich habe mir vorgenommen eine Reise zu machen und versuchen etwas zu Ende zu bringen, und wenn es keine andere Möglichkeit gibt, dann halt so. Ich würde dann meinen Rucksack packen, mir ein Zelt besorgen und den Rest müsste ich halt dann zurücklassen. Danach ging’s dann mit Buschtaxi, per Anhalter oder auf Ladeflächen von LKW s weiter.
Eigentlich sollte es nach Mali und Burkina Faso weitergehen, aber die Temperaturen erreichen da zur Zeit bis zu 45 Grad und das ist mir doch ein bisschen zu heiß.
So bleibt dann, mich weiter im Senegal, in Gambia oder Guinea aufzuhalten, oder die Südroute zu nehmen. Die führt über Guinea-Bissau, Guinea nach Sierra Leone, Liberia bis zur Elfenbeinkueste.
Das sind sicherlich keine optimalen Reiseländer, aber es gibt keine anderen Alternativen.
Vor ein paar Tagen habe ich Uwe und Guenther kennengelernt. Die beiden 65 und 68 Jährigen durchquerten die Sahara.
Uwe fährt schon seit 2 Jahrzehnten durch Afrika und den Mittleren Osten. Eines Tages gabelte er im Atlasgebirge von Marokko einen Barfussdoktor als Anhalter auf. Das sind junge Marokkanische Ärzte, die erst mal ein Jahr durchs Land reisen müssen, um in verschiedenen Einrichtungen zu arbeiten, um sich danach ins richtige Berufsleben stürzen zu können.
Er brachte ihn zu einer Gesundheitsstation.
Einige Jahre später kam ihm die Idee, jedes Jahr wenn er Marokko durchquert, dieses Zentrum mit Schuhen zu versorgen. So bekommt jedes Kind, das sich dort lebenswichtigen Impfungen unterzieht, danach ein paar Schuhe mit nach Hause. So waren es dieses mal um die 300 paar Schuhe, die ihm Bekannte und Verwandte mitgaben.
Natürlich ist das laut eigenen Aussagen für Uwe, sowie auch für Elisabeth und Anita, die wie ich schon berichtet habe, viele Monate unentgeltlich in Krankenhäusern arbeiten nichts besonderes.
Mir bleibt da aber eine andere Frage !
Uwe und Guenther sind 65 und 68,Anitha und Elisabeth 21 und Willem, von dem ich das nächste mal berichte ist gerade erst 18 !
Gibt es wirklich zu jung oder zu alt für etwas ??
Gibt es denn zu früh oder zu spät, etwas für uns und die Welt zu tun ??
Oder warten wir vielleicht immer nur auf den richtigen Augenblick, hinter dem wir uns oft gut verstecken können, der aber vielleicht niemals kommen wird.
Als ich meine Wohnung und Arbeit kündigte, hatte ich bis 2 oder 3 Tage noch nicht mal das Geld um bis nach Bregenz zu fahren :).
Jetzt bin ich ja schon zumindest mal bis in den Süden Senegals gekommen. Es gibt bestimmt bessere Voraussetzungen um zu so einer Reise aufzubrechen und eigentlich war das ja auch nicht logisch vom mir, denken wahrscheinlich die meisten.
Aber da frag ich mich !
War es logisch sich erst mal fast 3 Jahrzehnte auf Roben Island einsperren zu lassen, um aber danach das Ende der Apartheit einzuläuten und als erster schwarzer Präsident Südafrikas in die Geschichte einzugehen ?
War es so logisch, sich vor hunderten Jahren gegen die damals enorm einflussreiche Kirche zu stellen, um aber danach das Leben und die Ansichten von Millionen von Menschen zu verändern?
Mandela und Luther hätten auch wie so viele ihrer Freunde mit dem Leben dafür bezahlen können.
Natürlich sind das gewaltige Beispiele, aber darum geht’s mir auch gar nicht so.
Es geht mir einzig und allein darum was denn bei uns immer erst als logisch angesehen werden muss, bevor wir uns aufmachen das Leben in uns selber zu suchen.
Uwe und auch wir alle werden wahrscheinlich nie erfahren, wie viel Kinder noch am Leben sind weil sie sich damals wegen ein paar Schuhe wegen aufmachten, sich Impfen zu lassen. Es ist wie ein Samen, den man säet ohne vielleicht jemals die Früchte daraus sehen zu können. Aber was immer bleibt ist der Glaube und die Hoffnung, dass die Früchte gut waren.
Ich wünsche mir sehr ,dass ich auch in nächster Zeit immer wieder auf solche Menschen treffen werde.
Es sind oft nicht große Dinge, die ich über Sie berichte und wahrscheinlich werden wir dies Menschen auch nie im Fernsehen oder so sehen, aber es sind die, für die ich aufgebrochen bin um mich und uns alle ein wenig zum Nachdenken zu bewegen....
05.04.2008
SerreKunda / Gambia
Nach ein paar Tagen Nachdenken fassen wir den Entschluss es nochmal zu probieren in den Senegal einzureisen, wo das Krankenhaus die Medizinischen Geräte die wir bei uns haben dringend benötigt.
Wir nehmen also wieder die Autofähre von Banjul nach Barra in Richtung Senegal. Dieses mal hatten wir nicht soviel Glück und es dauerte fast 5 Std. bis wir auf der anderen Seite angelangt waren.
Trotzdem ist so eine Fahrt auf einer Fähre in Afrika, wirklich Afrika pur.
Stress und Geschrei ohne Ende und Hühner, Ziegen, Rinder, Schafe um nur einige zu nennen.
Dazu dann noch die verschiedensten Kleider der Völkergruppen der Madinka, Wolofs und Fulba und dazwischen ein paar ganz wenige Tupaps ( so werden wir als Ausländer hier freundlich genannt).Das ist wirklich eine ganz schön bunte Angelegenheit und man sollte das in Afrika ruhig mal selber miterleben.
Wir erreichen den Grenzübergang Gambia-Senegal.
Naja wir denken es wird schon irgendwie gut gehen. Tatsächlich haben wir dieses mal überhaupt keine Probleme und können ohne Zusatzgebühren in den Senegal einreisen.
Das ist halt auch Afrika und man sollte hier auch nicht anfangen alles immer verstehen zu müssen.
Auch an all den Straßensperren und Checkpoints von Militär und Polizei werden wir durch gewunken.
Wegen der katastrophalen Straßenlage beschließen wir uns eine Unterkunft für die Nacht zu suchen um dann am nächsten Tag weiterzufahren. Hier im Senegal ist die Moskitoplage weitaus größer als in Gambia und trotz Schutz werde ich Morgens wieder von einigen Stichen geplagt.
Am Morgen habe ich wieder kurz den Gedanken ob ich jetzt schon mit Malaria infiziert bin?
Schnell wische ich den Gedanken aus meinem Gedächtnis und wecke die anderen zur Weiterfahrt.
Wir kommen bis Kaolak und haben kaum mehr Benzin. An diesem Tag gibt es in der ganzen Stadt und auch im Umkreis kein Benzin mehr. Man verweist uns auf Morgen früh. So stehen wir jetzt da.
Es ist 3 Uhr Nachmittag, kein Benzin mehr, das Handynetz funktioniert nicht und die Temperatur zeigt über 40 Grad an. Na ja Volksfeststimmung sieht da wohl etwas anders aus.
Wir denken nach und suchen nach einen Callcenter, wo wir versuchen die Deutsche Ärztin Hanne anzurufen die im Krankenhaus in Diourbel die Gynäkologische Abteilung betreibt.
Es klappt und sie kann es organisieren, dass uns jemand entgegenfährt und auch irgendwo im Senegal ein wenig Benzin für uns besorgt.
3 Std später ist er da und wir laden die ganze Medizinische Fracht um. Ich telefoniere dann nochmal ganz kurz mit Hanne und gib ihr Bescheid, dass jetzt alles geklappt hat und die Sachen zum Krankenhaus unterwegs sind.
Überglücklich bedankt sie sich öfters bei mir und ist begeistert, dass wir es letztendlich doch noch geschafft haben, alles dort hinzubringen wo wir es von Anfang an haben wollten.
Wir machen uns auf die Rückreise Richtung Gambia. Ein paar Tage später übergeben wir dann auch den Krankenwagen mit dem restlichen Verbandsmaterial an ein Health-Center in Bunjadu / Gambia.
So, damit haben wir, wenn auch ein wenig auf Umwegen alles im kompletten Zustand übergeben und hoffen, dass durch unseren Beitrag in den letzten Wochen, so vielen wie möglich geholfen werden kann.
Die anderen Jungs fliegen nach Hause und ab ich bleibe zurück. In den nächsten Tagen überkommt mich eine Traurigkeit. Ich denke an alle die Dinge die ich mir noch vorgenommen habe und all die Schwierigkeiten, die mir wohl noch bevorstehen. Irgendwie fühle ich mich etwas ausgelaugt und schwach und ich beginne zu zweifeln, ob das wirklich alles so eine gute Idee war ?
Gerade in diesen, denke ich mal normalen menschlichen Augenblicken, indem du zweifelst und dein Glaube an etwas dich verlässt, habe ich gelernt auch ohne Glauben weiterzugehen.
Der Glaube wird früher oder später ganz von alleine zurückkehren.
Da ich vor der Reise mit dem Kauf und dem Umbau meines Autos und während der Fahrt für Visen, Diesel, Zolleinfuhr, Versicherungen, Maut usw. meine Ersparnisse fast aufgebraucht habe, werde ich versuchen einen Job zu finden, um mir damit meine Weiterreise und die Suche nach Afrikas stillen Helden weiter finanzieren zu können.
Die letzten 2 Tage war ich etwas krank. Ich hatte etwas Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen, aber heute geht’s schon wieder.
Klar, wenn man dann auch noch dazu krank ist kommen einen sofort die Gedanken. Was ist wenn du deine Reise jetzt aufgrund einer Krankheit, oder vielleicht auch wegen eines anderen Grundes abbrechen musst ? Weiter denke ich nicht.
Schließlich bin ich ja noch da und sicher auch schnell wieder ganz gesund und mit bisschen Glück werde ich schon einen Job finden.
Gestern habe ich 2 Brüder getroffen.
Uwe ist 65 und Guenther 68.Was die beiden so in Afrika machen, das erzähle ich euch beim nächsten Tagebucheintrag...
31.03.2008
Banjul / Gambia
Wir erreichen die Grenze Gambias. Dort verabschieden wir uns zunächst mal von Georg und bedanken uns, dass er uns sicher durch den Senegal geleitet hat. Da es im Senegal bei den meisten Straßensperren normalerweise sehr stressig ist, hat Georg das mit einem Begleitschreiben für uns jedes Mal sehr angenehm erledigt.
Außer den üblichen Diskussionen an den Grenzstationen, ging es dann einigermaßen problemlos durch.
Nach so vielen Grenzübertritten in den letzten Wochen habe ich da jetzt einfach schon an Übung gewonnen.
Eigentlich ist es immer das selbe Spiel. Ich habe mir auf der Reise vorgenommen ein paar Dinge einzuhalten.
-Stets freundlich und höfflich bleiben.
-Immer unendlich viel Zeit haben.
-Versuchen in der kurzen Zeit eine persönliche Beziehung zu den Grenzbeamten aufzubauen.
-Im Voraus sich genau über die Einreiseformalitäten mit eigenen Fahrzeug zu erkundigen, um nicht auf einmal unsicher werden zu können, wenn der Grenzbeamte mit den wildesten Geschichten beginnt.
Ich kann das allen Afrikareisen als kleinen Tipp mitgeben.
Nach dem Übertreten der Grenze fuhren wir auf direktem Weg zu einem Health-Center in Bunjandu. Kaum angekommen springen uns schon Manfred und Kerstin entgegen. Die beiden haben die letzten 4 Wochen in dem Health-Center mitgearbeitet. Sie haben Ihre Arbeit auch in einem Tagebuch unter www.Landsaid.de
dokumentiert.
Dort treffen wir auch die beiden 21.Jaehrigen jungen Frauen Elisabeth und Anita.
Elisabeth hat vor einem Jahr bei einem Landsaid Einstiegsseminar Seminar für Humanitäre Hilfe im Ausland mitgemacht. Na ja, damals hatte es Nachts so um die 10 Grad Minus und wir haben in Zelten übernachtet.
Da ist es jetzt ein Jahr später von der Temperatur schon etwas angenehmer.
Nachdem wir ein paar Tage zusammen verbracht haben, möchte ich gerne ein wenig über die 2 jungen Frauen in meinem Tagebuch berichten. Die beiden sehen sich natürlich selber überhaupt nicht als Helden, aber meine Meinung ist da einfach ein wenig anders.
Im September letzten Jahres fassten die beiden den Entschluss sich eine Auszeit von einem Jahr zu nehmen, um in Gambia in Gesundheitszentren und Krankenhäusern zu arbeiten. Auch wenn die beiden das nicht so gerne hören, aber ich finde das wirklich mutig und auch Ihre Unbekümmertheit und Ihr selbstloses Auftreten beeindrucken mich doch sehr. Die ersten paar Monate arbeiteten Sie ihn einem Health-Center in Banjandu an der Nordküste des Gambia Rivers. Momentan nehmen Sie sich eine Auszeit, so dass wir alle zusammen ein paar freie Tage verbringen können. Falls alles so klappt wie die beiden sich es vorstellen, möchten Sie in 2-3 Wochen dann wieder die Arbeit aufnehmen, um in einem Krankenhaus in Gambia weiter zu arbeiten. Man kann jetzt natürlich denken ;Wow, das ist ja echt super was die beiden mit 21 Jahren so machen und damit liegt man natürlich auch nicht falsch.
Meine Gedanken aber wandern da auch in eine ganz andere Richtung. Es ist selbstverständlich schön, wenn man auch schon in so einem jungen Alter so einen Entschluss fasst, mal so etwas zu machen und für andere Menschen da zu sein um damit Nächstenliebe auch zu anderen Kulturen, Stämmen usw. zu zeigen.
Was ich aber viel wichtiger finde, und das ist meiner Meinung nach absolut gesunder Egoismus, man sollte so etwas, wenn man die Möglichkeit hat, vor allem auch für sich selbst machen.
Ich wünsche mir, dass das Beispiel von Anita und Elisabeth viele andere junge Menschen motiviert und ermutigt, sich in erster Linie mal selber mit vielen Dingen auseinander setzten zu müssen.
Einfach mal einen Schritt gegen das Sicherheitsdenken zu machen, das sich in unserer Gesellschaft ja schon so einen festen Platz erobert hat. Manchmal muss leider oft immer erst etwas passieren, dass man mal die Augen aufmacht, was denn eigentlich wirklich wichtig im Leben ist.
Viele Jugendliche stehen meiner Meinung nach bei uns leider oft auch schon von Zuhause aus unter so einem Druck, dass man in erster Linie erst mal immer an seine Altersversorgung, Karriere, oder ähnliche Dinge denken muss.
Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, dass man sich planlos in irgendein Abenteuer stürzen sollte, aber ich glaube wirklich, dass man vor allem im jungen Alter sich erst mal selber richtig kennenlernen sollte und dazu ist so eine Reise, die die beiden machen, sicherlich eine ganz tolle Möglichkeit.
Weg von der Heimat, Familie und all den Sicherheiten auf die man ja immer schnell zugreifen kann wenn es mal eng wird.
Viele Menschen sind oft von Mythen und Abenteuergeschichten begeistert.
Ich frage mich da nur immer warum wir selber dann oft den Schritt nicht machen, wenn wir die Möglichkeit haben uns mal selber in ein Abenteuer zu stürzen, ohne den Ausgang zu wissen.
Weiter möchte ich aber in diese Richtung nicht gehen. Ich denke da kann sich ja jeder wenn er möchte, selbst mal so seine Gedanken darüber machen.
Elisabeth und Anita werden sich Morgen in ein Buschtaxi setzen um durch den Senegal weiter nach Guinea-Bissau zu Reisen.
Michael und ich haben in den letzten Tagen ein paar Gespräche mit Hilfsorganisationen geführt und vielleicht ergibt sich eine Möglichkeit, dass wir in nächster Zeit wieder Mitarbeiter von Landsaid in Hilfsprojekten einsetzen können.
Zunächst müssen wir aber versuchen einen Teil unserer Ladung an Medizinischen Geräten und Verbandsmaterial wieder in den Senegal zu bringen.
Das Krankenhaus dort kann all diese Dinge wirklich sehr, sehr gut gebrauchen...
22.03.2008
Kaolak/Senegal
Bevor ich meinen Tagebucheintrag weiterschreibe, möchte ich an dieser Stelle mal kurz ein paar persönliche Worte schreiben.
Vielen Dank für all die Emails und gleichzeitig Entschuldigung, dass ich nicht alle persönlich beantwortet habe.
In einigen Mails war oft die Rede wie mutig das ist. Einerseits freut es mich natürlich, aber anderseits finde ich das alles gar nicht so großartig, sondern für mich persönlich ganz normal. Für mich ist es wichtig, wenn ich Abends schlafen gehe, dass ich mir so denke:, Na ja, das war Heute eigentlich ganz OK was du so gemacht hast, oder versucht hast zu machen'.
Und für diese Erkenntnis muss man auch nicht durch Afrika oder sonst wo reisen.
Für mich zählt auch nur Heute und falls ich dann am nächsten Morgen vielleicht im Sterben liegen würde, wurde ich niemals Gedanken im Kopf haben wollen wie :
Wenn ich doch noch mal die Wahl hätte, oder, Hätte ich doch solange ich noch die Möglichkeit hatte, oder ähnliches.
Solche Gedanken sind für mich ein Alptraum.
So jetzt aber zu den Dingen die wir so auf unserer weiteren Reise erlebt haben.
Nach einer kurzen, sehr warmen und von Moskitos verstochenen Nacht ging es am nächsten Morgen weiter. Da ich aufgrund meiner hoffentlich länger geplanten Reise keine Malariaprophylaxe nehme, gehen da einem natürlich in den folgenden Tagen bei jeder Müdigkeit deines Körpers viele Gedanken durch den Kopf. Einer der Jungs liegt seit 2-3 Tagen schon flach und wir hoffen natürlich, dass es ihn nicht erwischt hat. Die nächsten Tage werden es zeigen.
Bei der Fahrt durch Mauretanien verstehe ich, warum so viele Menschen so fasziniert von dem Anblick der Sahara sind. Soweit man sieht nur Wüste und wenn nachts die Sonne unterging, fühlte ich mich in dieser unendlichen Weite und Grosse selber auch nur wie ein kleines Sandkorn.
Die letzten Hundert Km zur Senegalesischen Grenze sind wirklich für Fahrer und Material noch mal eine große Belastung, und weil es eh wegen der Hitze und der Strasse nicht schon anstrengend genug ist, kommt natürlich noch mal eine Reifenpanne dazu :). Na ja dann wieder mal Reifenwechsel und weiter Richtung Grenzübergang Diama.
Dann ging’s wieder mal los. Unendlich lange Diskussionen mit den Zollbehörden aufgrund der Tatsache, dass wir Verbandsmaterial und Medizinische Geräte in den Senegal einführen wollen. Da wir uns von vornherein gesagt haben, dass wir immer alles Mögliche versuchen wollen, um der in Westafrika leider so krankhaften Korruption die Stirn zu zeigen, packten wir erst mal die Campingstühle aus und setzten uns auf die Brücke vor der Grenze. Ich hörte von Menschen, die so etwas schon 3 Tage gemacht hatten, aber für so eine Aktion fehlte uns leider die Zeit, da einer der Jungs schon bald heim fliegen musste. Also hofften wir darauf, dass all unsere Verhandlungen und ruhigen Gespräche zum Erfolg führen würden, aber es half nichts. Spät nachts sagten die Zöllner, dass sie jetzt schließen, also entweder wir laden alles hier ab und können für etwas weniger Zollgebühren durchfahren, oder wir bezahlen den ganzen Zoll für unsere Fracht und können rein.
Uns blieb keine Wahl, sonst währe unsere ganze Mission hier beendet. Trotzdem möchte ich jedem sagen der durch Westafrika reist, nichts irgendwo zu bezahlen, außer es ist wirklich etwas bei dem man schon in Reiseführern oder ähnliches hingewiesen wird, denn sonst unterstützt man nur weiterhin die Korruption.
Wir konnten ins Land und zusätzlich wurde uns ein netter Eskortservice in Form eines Soldaten ins Auto gesetzt, der aufpassen soll, dass wir nichts in einem Krankenhaus im Senegal abladen. Spät Nachts erreichen wir den Campingplatz der Zebrabar.
Zu allem Übel hat der auch noch geschlossen und so bleibt uns nichts übrig als hungrig ins Bett zu gehen.
Wir fahren am nächsten Morgen weiter Richtung Krankenhaus und fragen unseren Soldaten Georg ob wir nicht auf einen Sprung vorbeifahren können, natürlich auch in der Hoffnung, dass wir die dort wirklich gut zu gebrauchenden Geräte abliefern zu können.
Die Deutsche Ärztin Hannelore Diawa leitet dort die Gynäkologische Abteilung des Krankenhauses. Aber all die Gespräche bringen nichts.
Trotzdem bewundere ich irgendwie die Art wie pflichtbewusst und höfflich Georg seine Arbeit verrichtet.
Ich bin mir sicher wenn alle Menschen sich so wie George verhalten würden, dann würde es auch im Senegal keine Korruption geben.
In den kommenden Tagen freundeten wir uns immer mehr an und Georg war immer total besorgt ,dass wir auch überall gut behandelt werden. Ich fand das irgendwie immer total nett, da das halt alles gar nicht nötig war, denn wir sind einfach unkompliziertes und ganz einfaches Essen und Schlafen schon gewöhnt.
Wir ereichten die Katholische Mission in Kaolak.
Als wir die heruntergekommenen und leider auch etwas übel riechenden Schlafräume sahen, entschieden wir uns in diesem Fall lieber für die Übernachtung in Innenhof der Mission, ohne zu vergessen Moskitonetze zu spannen. Am nächsten Tag duschten wir uns in einer na ja was soll man dazu sagen, egal aber es kam etwas Wasser und das war das wichtigste. Also dann mal los Richtung Gambia, wo das Ehepaar Tautz schon auf den Krankenwagen und Teile des Inhalts warteten. Wie wir dann den Rest noch zurück in den Senegal beschaffen, das wissen wir zum Heutigen Tag noch nicht, aber das wird sich zeigen. Erst mal müssen wir unter der Obhut von Georg aus dem Senegal ausreisen...
18.03.2008
Nouakchott/Islamische Repuplik Mauretanien
Auf dem Weg durch die Western Sahara, unmittelbar vor dem Grenzübergang nach Mauretanien liegt das wohl in diesem Gebiet bekannteste Minenfeld. Der Blick aus dem Fenster erinnert mich an die vielen Länder, in denen auch heute noch scharfe Minen liegen, und dort oft noch Kinder als Minensucher benutzt werden. Eine für uns Mitteleuropäer unglaublich schreckliche Vorstellung. Mehr als 5000 Km haben wir schon zurück gelegt und langsam nähere ich mich den eigentlichen Grund meiner Reise.
Die Suche nach Afrikas stillen Helden.
Menschen die in ihrer Heimat vieles zurück gelassen haben, und aufgebrochen sind, sich den in unserer Zeit scheinbar immer mehr krankenden Fatalismus entgegen zu setzen. Hoffnung in die Herzen derjenigen zu säen, die nicht das Glück hatten in einem Land wie das unsere geboren zu sein.
Ich freue mich darauf, solche Menschen hoffentlich bald zu treffen und wünsche mir natürlich, dass wir so viele wie möglich auch mit unserer Arbeit unterstützen können. Der Krankenwagen für das Ehepaar Tautz, die am Gambia-River eine Gesundheitsstation betreiben, ist doch denke ich mal schon ein ganz guter Anfang. Dazu werde ich aber mehr berichten, wenn wir den Krankenwagen samt Inhalt dann übergeben.
Grandpa war in den letzten 2000 Km wirklich sehr treu.
Ich habe gelernt ihn so zu behandeln wie man auch eine Frau behandeln sollte. Mit viel Liebe und immer ganz gut lauschen und vor allem sehr gut zuhören :).
Ein bisschen Ölverlust, mal leckte der Tank und irgendwann musst ich noch mal eine undichte Kraftstoffleitung austauschen. Aber außer diesen Kleinigkeiten, gab es da Gott sei Dank nicht großartiges. Wir stehen vor den Grenzübergang zur Islamischen Republik Mauretaniens.
Wieder das gleiche Programm.
Zoll, Polizei, Gendarmerie und Militär auf der einen Seite und das gleiche tolle Spiel dann auf der anderen Seite noch mal.
Vier oder Fünf Stunden später setzen wir unser Fahrt durch die Wüste fort.
Meine Gedanken wandern zu den 4 Französischen Touristen die hier vor nicht mal 11 Wochen grausam ermordet wurden und an all die Terror- und Reisewarnungen die diesem bettelarmen Land in letzter Zeit leider soviel Negativ Schlagzeilen brachten.
Selbst die Rallye Paris-Dakar sagte deshalb zum ersten Mal in ihrer Geschichte
diese Großveranstaltung ab.
Auf dem Weg essen wir in einen einem Tuareg Beduinenzelt eine spärliche, aber für uns alle ausreichende Mahlzeit und weiter geht’s Richtung Hauptstadt.
Nochmals denke ich daran, dass ich mich jetzt in einem Land befinde, indem in vielen Orten das Gesetz der Islamischen Scharia noch zählt.
Oft dachte ich an diese Drakonischen Strafen die in manchem Ländern der Welt immer noch ausgeführt werden und jetzt bin ich selber mal in so einem. Ein komisches Gefühl.
Spät nachts treffen wir völlig von der Wüste verstaubt und mit unglaublichen Durst endlich In Nouchakott an.
Der Betreiber dieser Unterkunft hat doch tatsächlich noch ein paar Dosen gekühltes Bier.
Dieser Luxus in diesem Land hellt unsere Gesichter natürlich schnell wieder auf und nach einer tropfenden aber halbwegs funktionierenden Dusche fallen wir alle todmüde ins Bett. Am nächsten Tag geht’s weiter Richtung Senegalesische Grenze...
12.03.2008
Echtoucan / Western Sahara
Man passiert die Schneise zwischen Atlantik-und Mittelmeer und kurz darauf findet man sich in der arabischen Welt wieder. Verschleierte Frauen, schreiende Imane die zum Gebet aufrufen und lecker duftendes Tajine (Marokkos Nationalgericht).
Wir setzen unsere Fahrt fort, wobei sich immer wieder das gleiche schöne Bild wiederholt.
Wunderschöne geheimnisvolle Dörfer, schreiende und winkende Kinder und immer wieder sehr freundliche Marokkaner, die mir sofort behilflich sind den richtigen Weg zu finden. Die Reise führt unser weiter Richtung Marrakech.
Auf der Fahrt durch das rote Gebirge zwischen Marrakech und Agadir überholt ein tonnenschwerer Lkw so halsbrecherisch, dass ich gezwungen bin Grandpa ( mein Auto ) in den Graben zu lenken. Links und Rechts fällt die Straße jeweils in eine Schlucht ab. Aber beim Vergleich David gegen Goliath hätte ich in diesem Fall wohl den kürzeren gezogen, so dass mir keine andere Wahl blieb. Durch das Offroad Training bei Landsaid wusste ich ja das der Landy erst bei mehr als 25 Grad Schräglage kippt : ), und wir hatten so etwa 20 Grad. Also kein Problem und weiter ging’s Richtung Agadir.
Dort treffen wir dann den Rest der Crew, die Jungs mit dem Krankenwagen, die aus Zeitgründen einen Tag Vorsprung hatten. Nachdem wir uns lachend in die Arme fallen, erfahre ich, dass sie sehr große Probleme bei der Einreise nach Marokko hatten. Der Krankenwagen ist vollbeladen mit Verbands- und ähnlichen Material und der Zoll in Marokko wollte daher eine von der Deutschen Botschaft in Marokko bestätigte Bescheinigung des Deutschen Gesundheitsministeriums sehen. Hatten wir natürlich nicht. Nach mehr als vergeblicher fünfstündiger Verhandlung mit den Grenzposten gab es nur die Möglichkeit umzukehren und sein Glück am nächsten Tag bei einer anderen Grenzschicht zu versuchen. Also zurück nach Ceuta, Blaulicht runter, Ladung etwas mit Klamotten getarnt und durch.
Im zweiten Anlauf hat alles problemlos geklappt.
Mit beiden Fahrzeugen ging es dann weiter Richtung Western Sahara. Immer wieder Roadblocks und Radarkontrollen. Na ja, da dachten wir ,dass wir auch mal die Polizei wieder unterstützen sollten und druckten wegen überhöhter Geschwindigkeit mal schnell 80 Euro ab. So jetzt geht’s dann weiter nach Dakhla und kurz darauf folgt der gefährliche Abschnitt Richtung Nouadhibou. Das Gebiet, dass das Volk der Sahraouis und die Marokkanische Regierung gleichzeitig für sich beansprucht ist gefährlich und vermint. Ein Aussteigen aus dem Auto und Treten neben der Fahrbahn ist lebensgefährlich. Dazu kommt, dass der Fahrstil der oft übermüdeten Lkw Fahrer immer halsbrecherischer wird und es immer wieder zu sehr schweren Unfällen kommt.
Also Augen auf und durch : ) Richtung Mauretanische Grenze...
08.03.2008:
Chefchaouen/Marocco
So dann mal die beste Nachricht gleich zuerst. Beide Autos haben es schon mal bis Marokko geschafft :).
Der Landrover zwar ein bisschen angeschlagen, aber auch er ist drüben.
Da der erste längere Aufenthalt erst in Gambia geplant ist, werden die ersten Berichte fast ausschließlich Reisebericht sein.
So erst mal ging es 3 Tage später los als geplant, da mein Visum für Mauretanien nicht rechtzeitig fertig wurde.
Schließlich Abfahrt am Mittwoch den 5.Maerz.Ueber Lindau ging es dann nach Bregenz, wo sich auch schon ein Befestigungsgummi vom Dach löste und gleich mal den Rückfahrscheinwerfer zertrümmerte. Durch die Schweiz ging es dann ganz problemlos, so dass wir über Genf nach Frankreich einreisten. Nach einer wegen Sturmböen unruhigen Übernachtung im Landrover, ging es in dann Frühmorgens gleich weiter Richtung Montpellier.
Leider nicht lange, denn kurz darauf brach einer der Kraftstoffleitungen und das Auto musste auf den Hänger und abgeschleppt werden. Ein paar Std. später war eine gebrauchte Spritleitung eingebaut und Weiterfahrt.
Kurz darauf ging es dann über die Pyrenäen nach Spanien. Etwa 500 km vor Zaragoza dann der nächste Zwischenfall. Der Overdrive (das ist sowas ähnliches wie ein 5.Gang beim Landy) hat sich verabschiedet, so dass ich seit dem nur noch mit 4 Gängen fahre. Ok egal, weiter Richtung Madrid....Etwa 200 Km später:
Bei voller Fahrt Reifenplatzer auf der Autobahn. Da durch einen schwer beladenen Dachträger das Auto sehr instabil ist, war es schwierig das stark schwankende Auto auf den Seitenstreifen zu steuern.
Auch ein bisschen Glück gehabt, dass genau da kein Lkw daneben war, sonst wäre es vielleicht ein bisschen eng geworden. Nach ca. 2 Std Reifenreparatur ging’s dann aber weiter.
Am Tag darauf erreichten wir dann Algeciras, wo wir überschifften.
Mittlerweile hatte auch noch die Kraftstoffanzeige den Geist aufgegeben und das Getriebe verliert auch sowas einen halben Liter Öl auf 1000 Km. Kurz darauf Einreise nach Marokko, mit sehr stressigen Grenzbeamten
Aber mit viel Lächeln, Bonbons und Freundlichkeit ließen die mich nach fast 2 Std. aus der Mangel.
So, danach weiterfahrt bis Chefchaouen auf den Campingplatz, schnell einen Tagebucheintrag schreiben und dann nach 3 etwas anstrengenden Tagen Fahrt: ), ein wenig Ruhe bis morgen früh.
Morgen früh geht’s weiter Richtung Marrakesch...
29.02.2008:
Augsburg
Seit Monaten schraube ich an meinem Landrover, (Landy-Besitzer wissen sicher was das bedeutet :-) ) jetzt steht der Wagen startbereit vor der Tür. Für den 2. März ist der Aufbruch geplant. Entlang der Westafrikanischen Küste werde ich einen Krankenwagen über Marokko, Western Sahara, Mauretanien, und den Senegal bis nach Gambia begleiten.
Der Land-Rover und ein gespendeter Krankenwagen der Firma Alzchem GmbH (Trostberg) werden voll beladen sein mit Verbandsmaterial, medizinischen Geräten und Kinderkleidung. Die Sachspenden sind für verschiedene Medizinische Einrichtungen in Westafrika bestimmt, der Krankenwagen wird in Gambia an die Organisation „Riverboat Doctors“ übergeben. Diese betreibt in einem kleinen Dorf am Ufer des Gambiaflusses eine Gesundheitsstation, deren Arbeit von Lands Aid regelmäßig mit ehrenamtlichem medizinischen Personal unterstützt wird. Die Ärzte und Pflegekräfte behandeln dort Malaria, tropische Infektionen, Haut- und Wurmerkrankungen und Geburtskomplikationen. Die Patienten sind meist Kinder und ihre Mütter. Ohne die Hilfe von Lands Aid wäre für viele von Ihnen eine ärztliche Behandlungen nicht bezahlbar






























